Coaching-ABC, Teil 6

ABC auf Tafel geschrieben

Training? Nein. Lehre? Auch nicht. Beratung? Nicht im klassischen Sinn. – Was bitte ist Coaching im Business? Und was sollte man (und Frau) unbedingt beachten, wenn er bzw. sie die Unterstützung eines Business Coaches sucht? Das Coaching-ABC klärt auf – kurz, präzise, auf den Punkt.

P - wie Potenzial
"Potenzial" ist ein häufig genutzter Begriff  in der Welt des Coaching - kein Wunder, geht es doch darum, die Potenziale, die im Klienten schlummern, aufzuspüren und zu heben. So leistet der Coach Hilfe zur Selbsthilfe. Was ist gemeint? Wir Menschen neigen dazu, grundsätzlich andere (Menschen) oder anderes (Umstände, Situationen, Vorkommnisse) dafür verantwortlich zu machen, dass es bei uns selbst gerade nicht so läuft. Und tatsächlich können uns andere und anderes das Leben ganz schön schwer machen - nur haben wir auf die Anderen und das Andere in aller Regel nur begrenzt Einfluss. Was wir aber tun können, ist, uns auf unsere eigenen Stärken zu "besinnen", sie (wieder) zu entdecken, sie uns vor Augen zu stellen, und zu fragen: Wie kann ich meine eigenen Stärken zum Erreichen meiner Ziele konsequent nutzen? Übrigens können auch vermeintliche Schwächen ungenutzte Potenziale sein. Um die eigenen Potenziale, die verdeckten, möglicherweise verschütteten Möglichkeiten, auszugraben, bedarf es oft des Blicks von außen bzw. der Reflexion (siehe unten) mit einem Gesprächspartner auf Augenhöhe, der im Coaching die "Ausgrabungsarbeiten"  unterstützt.

Q - wie Qualität
Über Coaching-Qualität wird immer wieder diskutiert, um Qualität im Coaching wird gerungen. Was einen guten Coach auszeichnet sind auf jeden Fall eine solide Ausbildung, eine hohe Präsenz bei gleichzeitiger professioneller Distanz, eine fundierte Methodenauswahl und -anwendung, eine klare Abgrenzung zur Therapie. Und darüber hinaus? Persönlichkeit, Erfahrung, eine transparente und professionelle Haltung, Klarheit. All diesen Kriterien ist eines gemeinsam: Sie sind nicht klar definiert und dadurch schwer zu fassen. "Coach" ist keine geschützte Berufsbezeichnung, weshalb sie der Fußballtrainer und Ernährungsberater genauso  trägt wie der persönliche (Business-) Coach, obwohl Letzterer explizit kein Training anbietet und seinen Klienten (unter dem Stichwort Coaching) nicht im klassischen Sinne berät. Wann also hat der Business Coach seine Aufgabe qualitativ gut gemacht? Wenn der Klient das Gefühl hat, persönlich in seiner Entscheidungsfindung voran gekommen zu sein, seine Haltung einer Herausforderung gegenüber entwickelt zu haben, persönlich an (Problemlösungs-)Kompetenz gewonnen zu haben und/oder über (neue) Instrumente der Selbstreflexion zu verfügen und damit seinen Handlungsspielraum erweitert zu haben. Nicht leicht - aber sehr bereichernd!

R - wie Reflexion
Prüfendes und vergleichendes (Nach-)Denken - so erklärt der Duden "Reflexion". Und diese Erklärung trifft den Kern, wenngleich das Reflektieren selbst natürlich ein facettenreiches - gedankliches - Tun darstellt. Nicht selten führt das Nachdenken ins Grübeln und von dort direkt in eine Sackgasse hinein, aus der der Grübelnde nicht wieder herausfindet. Reflexion im Coaching bedeutet: strukturiert nachdenken - einem Gedanken folgen, aber ihn auch aus verschiedenen Perspektiven denken, gedankliche Abzweigungen nehmen, sich auf Umwege einlassen. Dabei können verschiedene kognitive und kreative Methoden zum Einsatz kommen, die den Perspektivwechsel erleichtern, Fokussierung ermöglichen oder Aha-Momente auslösen. Wo der Coach gemeinsam mit dem Klienten über das Wie und Warum einer Methode reflektiert, entsteht darüber hinaus ein hohes Maß an Transparenz in der gemeinsamen Arbeit.


Katharina Mehring

... leitet den Bereich Kommunikation & Marketing. Sie berät in allen Fragen der internen und externen Kommunikation, begleitet Strategie- und Leitbildprozesse, coacht Einzelpersonen und Teams.