Die Dorfentwicklung in Niedersachsen: Ein Überblick

Bild von Dorfentwicklungsplänen

Sie prägt fast jedes niedersächsische Dorf: Die Dorferneuerung war über Jahrzehnte das Förderinstrument der Wahl für Dörfer im ländlichen Raum. 2014 wurde die Dorferneuerung durch die Dorfentwicklung abgelöst. Sie stellt die ländliche Entwicklung in Dörfern und Gemeinschaften strategisch breiter auf.

Das war die Dorferneuerung

Im Rahmen der Dorferneuerung konnten Orte Maßnahmen planen und Bauten fördern lassen – ein aufmerksamer Spaziergänger entdeckt in vielen niedersächsischen Dörfern ein über die Dorferneuerung finanziertes Feuerwehrgeräte-, Jugend- oder Gemeinschaftshaus. Das klingt erstmal nicht schlecht, die Dorferneuerung aber war ein Förderinstrument ihrer Zeit: Der am Prozessende stehende Maßnahmenkatalog bestand vor allem aus Einzelprojekten ohne grundlegenden strategischen Zusammenhang. Das änderte sich 2014: Aus der Dorferneuerung wurde die Dorfentwicklung.

Das ist die Dorfentwicklung

Auch die Dorfentwicklung ist ein Förderinstrument des Landes Niedersachsen – mit dem großen Unterschied, dass nicht mehr Einzeldörfer, sondern Dorfregionen aus mindestens drei Orten im Fokus stehen. Die Erfahrungen zeigen, dass überörtliche bzw. regionale Ansätze mittel- und langfristig zu deutlich erfolgreicheren Projekten und Initiativen führen. Außerdem steht in der Dorfentwicklung die strategische Entwicklungsperspektive und Abstimmung der Dorfregionen stärker im Fokus.

Diese perspektivische Planung beginnt mit der Identifikation der Einwohnerinnen und Einwohner mit ihrem Dorf und der Stärkung der Eigenverantwortlichkeit bei der Gestaltung ihres sozialen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebensraums. Gemeinsam mit ihnen werden deshalb in Arbeitskreisen auf Ortsteilebene Leitbilder, Ziele und Handlungsfelder entwickelt, die immer wieder regional gespiegelt und abschließend auf übergeordneter Ebene in ein Gesamtkonzept einfließen – den Dorfentwicklungsplan.

Der Dorfentwicklungsplan ist eine Art „Regiebuch“ für die Zukunftsfähigkeit der Dorfregion, ein Handlungspapier mit konkreten Ideen und Projekten – aber vor allem strategischen Entwicklungszielen. Die Förderung investiver Maßnahmen ist nach wie vor möglich, erfolgt jetzt aber unter einem „strategischen Dach“. Und: Auch in der achtjährigen Umsetzungsphase können neue Projekte initiiert werden, die im Rahmen der Dorfentwicklungsplan-Erstellung noch nicht eingebracht wurden. Dorfgemeinschaften können so viel flexibler auf neue Herausforderungen bzw. sich verändernde Gegebenheiten reagieren.

In der Praxis kann dieser kommunikative Ansatz nur von einem Planungsbüro begleitet werden, das Kompetenzen in der Dorf- und Regionalentwicklung mit Expertise in der Moderation, Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit vereint. Wir von der pro-t-in GmbH arbeiten zudem eng mit einem Spezialisten für technische Planungen zusammen, dem Büro für Landschaftsplanung Richard Gertken aus Werlte.

Das wird die soziale Dorfentwicklung

Noch einen kommunikativen Schritt weiter gedacht ist die Soziale Dorfentwicklung, die 2018 im Dorfentwicklungsprogramm des Landes Niedersachsen als neuer Modellansatz eingeführt wurde. Der Fokus liegt auf der Initiierung eines (über-)dörflichen Dialogs und der Stärkung des Miteinanders. Vor kurzem wurden insgesamt zehn Dörfer in die soziale Dorfentwicklung aufgenommen, im Weser-Ems-Gebiet sind es die Dorfregionen „Up Fehn tu Huus“ (Landkreis Aurich), „Walchum“ (Landkreis Emsland), „Friesoythe-Süd“ (Landkreis Cloppenburg) und „Merzen-Neuenkirchen“ (Landkreis Osnabrück).

Die Grundlagen für die soziale Dorfentwicklung wurden unter anderem im Rahmen des niedersächsischen Modellprojekts „Dorfgespräch“ gelegt, das die pro-t-in GmbH gemeinsam mit der Katholischen LandvolkHochschule Oesede, dem niedersächsischen Landwirtschaftsministerium und dem Amt für regionale Landesentwicklung (ArL) erarbeitet und über fünf Jahre erfolgreich erprobt haben.

Michael Ripperda

... leitet den Bereich Regional- und Dorfentwicklung. Er ist Ansprechpartner für die Regionalentwicklung, für Dorfentwicklungs-Prozesse und Spezialist für die strategische Kommunal- und Fördermittelberatung.

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