Förderanträge auf den Punkt formulieren – Teil 1: Inhalt und Umfang

Symbolbild mit einem Blatt Papier und einer Checkliste

Lyrisch, poetisch, emotional, kurz, knapp, stichpunktartig, ausschmückend oder umfänglich beschrieben: Fördermittelanträge haben die unterschiedlichsten Formen. Welche davon sinnvoll ist und zum erhofften Erfolg führt, diskutiert ILE-Regionalmanagerin Cornelia Holthaus – und gibt wertvolle Praxistipps für einen professionellen Förderantrag. Im ersten Teil geht es um Inhalt und Umfang eines Antrags.

Fördermittelgeber wollen mit formalisierten Anträgen sicherstellen, dass auch wirklich die Projekte eine Förderung erhalten, die zum Zweck des Förderprogramms passen, die eine reelle Chance auf erfolgreiche Umsetzung haben und die nicht zuletzt ein Problem vor Ort oder in der Gesellschaft auf innovative Art und Weise lösen.

Entsprechend gibt es Formblätter, inhaltliche und formale Kriterien und häufig sogar Bewertungsschemata, an die sich der Schreibende beim Formulieren zwingend orientieren sollte. Einige Fördermittelgeber bieten Vorab-Beratungen an, um zu prüfen, ob eine Projektidee förderwürdig ist und um wichtige Fragen zu klären. Ganz egal aber, welchen mündlichen Informationsaustausch es im Vorhinein gegeben hat: Bewertet werden kann nur das, was auch schriftlich im Förderantrag fixiert ist!

Worauf kommt es nun aber bei einem guten Förderantrag an, fragen Sie sich? Im Wesentlichen auf vier Punkte: Inhalt, Umfang, Schreibstil und Struktur!

Inhalt und Umfang: So viel wie nötig und so wenig wie möglich

Der geforderte Inhalt ergibt sich in den meisten Fällen aus den Vorgaben des Fördermittelgebers. Neben administrativen Vorgaben wie Angaben zum Antragsteller, zu Kontodaten, zur Rechtsform etc. sind meist auch Projektskizzen und/oder -beschreibungen erforderlich. Fehlen konkrete Vorgaben zum Inhalt der Projektskizze, schauen Sie sich die Förderrichtlinie genauer an! Dort finden Sie in der Regel die Ziele, die der Fördermittelgeber mit der Zuwendung erreichen möchte. Greifen Sie diese in ihre Projektskizze auf und beziehen Sie sich bewusst darauf, ohne Ihr Projekt zu verbiegen. Außerdem sollten Sie immer folgende Punkte mit Inhalt füllen:

Projektidee

Der erste Eindruck zählt, schon hier trennt sich die Spreu vom Weizen (auf den Gebrauch derartiger Redewendungen sollten Sie zum Beispiel verzichten!): Nur wer es schafft, die folgenden Fragen kurz, knapp und auf das Wesentliche beschränkt zu beantworten:
  • Wie lautet der Name des Projektes (kreative Titel überzeugen eher als sperrige)?
  • Ihre Projektidee in einem Satz (fokussieren Sie sich!)
  • Was ist ihr Hauptziel und wie soll es erreicht werden?
  • An welche Hauptzielgruppe soll sich ihr Projekt richten?
Dieser erste Absatz fasst im Prinzip alles das zusammen, was Sie im Folgenden näher beschreiben und begründen. Meist hilft es, diesen erst ganz zum Schluss zu schreiben (wie die Einleitung bei Aufsätzen).

Notwendigkeit des Projektes

Klar ist auch: Nur Projekte, die auch wirklich erforderlich sind, werden gefördert. Warum gibt es also diese Projektidee? Was war der Auslöser für die Idee des Projektes? Wie sieht der IST-Zustand aus? Welche Probleme und Bedarfe bestehen?

Lösungsansatz / Innovationsgehalt

Die oben beschriebenen Probleme und Bedarfe sollten durch ihr Projekt gelöst werden. Wie schaffen Sie das? Was ist besonders innovativ an ihrer Herangehensweise?

Ziele, Zielgruppe und Wirkung des Projektes

Bei der Formulierung der Projektziele lohnt sich ein Blick in das Projektmanagement und die SMART-Regel. Wer sich lieber direkt an W-Fragen orientiert, der sollte folgende bei jeder Zielformulierung beachten: Was soll wann, wie, von wem, wo und in welchem Umfang erreicht werden! Formulieren Sie Ihre Ziele für die direkte Zielgruppe, für die indirekte Zielgruppe und auch für die Gesellschaft, das Umfeld oder die Region. Denn Projekte wirken nicht nur direkt als sichtbares Ergebnis – sie ziehen meist weite Kreise. Nutzen Sie dieses Potenzial!

Nachhaltigkeit des Projektes

Ein Projekt sollte niemals als Eintagsfliege gedacht oder geplant werden. Vielmehr sollten Sie schlüssig nachweisen, wie Sie die Fortführung und den dauerhaften Unterhalt ihres Projektes sicherstellen, auch nachdem Fördermittel erschöpft sind.

Alleinstellungsmerkmal (USP)

Eigenlob stinkt? Nicht bei Fördermittelanträgen, darum arbeiten Sie heraus: Was können Sie generell besser als andere? Worin unterscheidet sich Ihr Projekt von anderen Projekten? Welchen besonderen gesellschaftlichen Nutzen bringt ihr Projekt mit sich? Welche Ressourcen, Fähigkeiten und welches Know-how zeichnen Sie als Antragsteller aus? Haben Sie vielleicht bereits ähnliche Projekte erfolgreich abgewickelt?

Projektmanagement / Projektdurchführung

Sie haben es fast geschafft. Jetzt haben Sie bereits dargestellt, was Sie eigentlich vorhaben und wem das Projekt nützt. Jetzt sollten Sie noch Meilensteine (Zwischenziele und Zeitplanung), Arbeitspakete (Was muss genau gemacht werden?) und Verantwortlichkeiten (Wer macht was bis wann warum?) festlegen. Auch ein paar letzte Fragen sollten Sie noch beantworten:
  • Wie planen Sie die Verbreitung ihrer Ergebnisse (Social Media, Presse)?
  • Wie wollen Sie ihr Projekt evaluieren?
  • Wie stellen Sie die Qualität Ihres Projektes sicher?
  • Welche Risiken (z.B. Absage von Sponsoren) gibt es und wie haben Sie sich dagegen abgesichert?

Budget

Das leidige Thema Geld am Ende: Wenn Sie ehrlich sind aber der eigentliche Grund, warum Sie diesen Antrag schreiben. Nun müssen die Karten auf den Tisch gelegt werden: Welche Ausgaben fallen in welchen Positionen an? Wie wollen Sie das Projekt finanzieren? Und warum gibt es die Notwendigkeit einer Förderung?

Und auch beim Umfang gilt: So viel wie nötig und so wenig wie möglich. Fassen Sie sich kurz und knapp und beschränken Sie sich auf das Wesentliche. Meistens reichen zwei bis drei Seiten aus! Wie Sie das – trotz der vielen Inhalte schaffen –, lesen Sie im zweiten Teil des Beitrags!

Cornelia Pabst

... vernetzt und sensibilisiert als Regionalmanagerin der ILE-Region Hufeisen Kommunen und Einwohner für das Engagement in der ländlichen Entwicklung.

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