Förderanträge auf den Punkt formulieren – Teil 2: Schreibweise und Struktur

Symbolbild mit einem Blatt Papier und einer Checkliste

Lyrisch, poetisch, emotional, kurz, knapp, stichpunktartig, ausschmückend oder umfänglich beschrieben: Fördermittelanträge haben die unterschiedlichsten Formen. Welche davon sinnvoll ist und zum erhofften Erfolg führt, diskutiert ILE-Regionalmanagerin Cornelia Holthaus – und gibt wertvolle Praxistipps für einen professionellen Förderantrag. Im zweiten Teil behandelt sie Schreibweise und Struktur eines Antrags..

Machen sie es dem Prüfenden leicht – Die Schreibweise und die Struktur

Klar, Sie beschäftigen sich schon lange mit der Idee, haben bereits viel Arbeit und Herzblut in die Planung gesteckt – eine emotionale Bindung an das Projekt bleibt da nicht aus. Bei Anträgen gilt aber: Sachlichkeit vor Emotionalität! Verwenden Sie daher weder Personalpronomen wie „ich“ noch „wir“ in Anträgen, sondern bleiben Sie bei sachlichen Formulierungen wie „der Antragsteller“ oder „der Verein XY“.

Alles, was nach Alltagsweisheiten aus Aufstellkalendern oder leerer Phrase klingt, sollten Sie vermeiden: „In dem Projekt sollen Synergieeffekte mit anderen Akteuren genutzt werden“ klingt super, ist aber eine vage Behauptung: Es bleibt unklar, in welchem Umfang Synergien genutzt werden sollen, was Effekte dieses Projekts wirklich sind und wer sich konkret einbringt.

Kurz, knapp und präzise – dieses gilt auch für die Länge der Sätze

Ebenfalls wichtig, und da werden Sie mir sicherlich Recht geben, ist das Vermeiden von langen, vielfach in sich verschachtelten Sätzen, bei denen man den Anfang schon lange vergessen hat, bevor man am überhaupt Ende angekommen ist, oder – was noch schlimmer ist –, am Ende feststellt, dass die Hauptaussage des Satzes gar nicht eindeutig ist! Der Sinn dieses augenzwinkernden Beispiels dürfe klar sein: Lange und verschachtelte Sätze sollten vermieden werden! Sie sind schwierig zu lesen, gerade in vielfacher Ausführung.

Ebenfalls wichtig, und da werden Sie mir sicherlich Recht geben: Vermeiden Sie Wiederholungen!

Rechtschreib- und Grammatikprüfung

Darüber hinaus gibt es bald nichts Ärgerlicheres als Rechtschreib- und Grammatikfehler. Sie stören den Lesefluss und kosten dadurch Zeit beim Lesen. Ganz nach dem Prinzip: 4 Augen sehen mehr als 2; 6 Augen sogar noch mehr! sollte immer jemand Ihren Text auf Fehler hin überprüfen. Geben Sie Ihren Antrag doch auch mal jemanden, der von Ihrem Projekt bisher noch nichts wusste. Das hat noch einen zweiten Vorteil: Unbeteiligten erkennen viel eher inhaltliche Unklarheiten und Dopplungen als jemand, der aktiv an einem Antrag mitgearbeitet hat.

Schrift und Form – das kennen wir noch aus der Schule

Zunächst einmal gilt: Beachten Sie die Vorgaben des Fördermittelgebers (Schriftart, -größe, Zeilenabstand, Ränder etc.)! Es gibt keine Vorgaben? Dann gilt auch hier zunächst Schlichtheit vor Schnörkeln. Mit Serifenschriften wie Times New Roman oder Arial und einer Schriftgröße von 11 oder 12 machen Sie selten etwas verkehrt. Beim Zeilenabstand empfehle ich 1,15 cm Abstand. Auch bei der Wahl der Seitenränder sind Sie so ziemlich frei. Wenn Sie mögen, lassen Sie an der Innenseite einen etwas größeren Seitenrand: So hat der Prüfer Platz für seine Notizen. Mit Seitenzahlen, zum Beispiel in der Fußnote (Seite X von Y), stellen sicher, dass eine versehentlich verkehrte Reihenfolge der Seiten bzw. fehlende Seiten bemerkt werden.

Durch gezielte Hervorhebungen im Text (fett, kursiv, unterstrichen), durch Zwischenüberschriften oder Marginalen am Textrand schaffen Sie es, Ihren Text übersichtlich zu strukturieren. Sie können damit einzelne Inhalte betonen und die Aufmerksamkeit auf Schlüsselbegriffe lenken. Durch Zwischenüberschriften und Marginalen erleichtern Sie dem Leser das Auffinden bestimmter Inhalte. Auch Absätze unterstützen eine klare Struktur des Antrages.

Mit Anhängen arbeiten

Sie haben bereits Konzepte, Gutachten, Baugenehmigungen, Befürwortungsschreiben, Studien etc.? Verweisen Sie im Text darauf und stellen Sie die Dokumente in einem Anhang zur Verfügung. Das spart nicht nur einiges an Text und Erklärungen, sondern gibt dem Prüfer auch die Gelegenheit, sich mit einigen Punkten näher auseinanderzusetzen und sich tiefer in Ihr Projekt einzuarbeiten.

Fördermittelanträge auf den Punkt zu formulieren, ist mit ein paar Tipps und Tricks gar nicht so schwierig! Klar, es kostet Zeit und Mühe – das Ergebnis kann sich aber durchaus lohnen!

Cornelia Pabst

... vernetzt und sensibilisiert als Regionalmanagerin der ILE-Region Hufeisen Kommunen und Einwohner für das Engagement in der ländlichen Entwicklung.

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