Personalmarketing 4.0: Die Mischung macht’s

Personalmarketing

Fachkräftemangel und kein Ende: Gerade im ländlichen Raum ist es für Unternehmen oft schwierig, ihre Stellen zu besetzen. Im „War on Talent“ ist es unerlässlich, potenzielle Bewerber auf sich aufmerksam zu machen. Dies kann nur gelingen, wenn Arbeitgeber*innen sich breit aufstellen – sowohl online als auch offline.

Neue Chance: Google for Jobs

Weit über 80 Prozent aller Jobsuchenden nutzen Google, um nach Stellenangeboten zu suchen. Seit diesem Frühjahr macht es der Internetkonzern Nutzer*innen besonders einfach: Suchen sie nach „Jobs“, spielt Google ausgewählte Stellenanzeigen aus. Für Unternehmen liegt darin eine große Chance, ist die Reichweite doch deutlich größer als wenn sie ihre Stellenanzeige nur auf einem der über 1.000 Jobportale in Deutschland einstellen. Insbesondere wer nach Auszubildenden sucht, sollte die Möglichkeit nutzen, denn viele Absolventen googlen einfach nur nach „Ausbildung [Wohnort]“. Google for Jobs bietet so Unternehmen, die eher wenig bekannte Ausbildungsberufe anbieten, die Chance auf sich aufmerksam zu machen. Der Nachteil an dem neuen Feature: Unternehmen können ihre Anzeigen nicht direkt bei Google einstellen. Die Suchmaschine zieht sich die Anzeigen aus verschiedenen Jobportalen oder von Firmenwebseiten – vorausgesetzt, die Anzeigen dort sind entsprechend optimiert.

Visitenkarte: die eigene Webseite

Man mag es kaum glauben, aber selbst 2019 gibt es noch Unternehmen, die über keine eigene Webseite verfügen. Bewerber*innen, die eine Anzeige gesehen haben und nun online nach weiterführenden Informationen über das Unternehmen suchen, finden – nichts. Schlimmstenfalls entsteht so der Eindruck, dass die Anzeige die Betrugsmasche einer Scheinfirma ist. Eine schlechte Webseite ist nur wenig besser. Wer Bewerber*innen überzeugen will, der braucht eine – leicht auffindbare (!) – Karriereseite, auf der sich alle wichtigen Informationen über die Firma und die Tätigkeit finden. Dabei gilt es besonders herauszustellen, was das Unternehmen von Mitbewerbern abhebt und welche Benefits Arbeitnehmer*innen erwartet. Ganz wichtig: authentisch sein. Übertriebenes Selbstlob schreckt ebenso ab wie Stockbilder. Ebenso wichtig ist die Möglichkeit, unkompliziert Kontakt aufzunehmen.

Die Kür: Social Media

Soziale Medien gewinnen als Tool für die Jobsuche zunehmend an Bedeutung – auch abseits klassischer Karrierenetzwerke wie Xing oder LinkedIn. So hat Facebook inzwischen sein eigenes Job-Feature, mit dem Unternehmen Stellen ausschreiben können. Instagram ist aktuell die Plattform, um ein jüngeres Publikum anzusprechen. Darüber hinaus bieten die sozialen Medien unzählige Möglichkeiten, Bewerber*innen zu informieren und sich als Unternehmen, bei dem man gerne arbeitet, darzustellen. Auch hier gilt: Alle geteilten Inhalte müssen authentisch sein. Der gewählte Kanal muss außerdem zur Zielgruppe passen.

Stellenanzeige: Print vs. digital

Die klassische Zeitungsanzeige hat als Recruiting-Tool Nummer Eins schon lange ausgedient. Dennoch kann sich eine Printanzeige durchaus lohnen, um ergänzend zu Onlinemaßnahmen auf sich aufmerksam zu machen und bestimmte Zielgruppen, gerade vor Ort, anzusprechen – beispielsweise die (Groß)Eltern von Ausbildungssuchenden, die für den Nachwuchs oft eine wichtige Informationsquelle sind. Wer insbesondere lokal nach neuen Mitarbeiter*innen sucht, für den bietet sich alternativ eine Anzeigenschaltung auf Ebay Kleinanzeigen an. Hier lassen sich gezielt Jobsuchende vor Ort ansprechen, während eine Zeitungsanzeige zwar unter Umständen viele Menschen erreicht, aber nicht unbedingt diejenigen, die einen neuen Arbeitsplatz suchen.

Der Königsweg: Persönlicher Kontakt

Wenngleich viele Jobsuchende online nach Arbeitsplätzen durchforsten, ist der persönliche Kontakt immer noch eine besonders effektive Methode, Bewerber*innen zu gewinnen. Auf Karrieremessen haben Arbeitssuchende die Möglichkeit, Firmen kennenzulernen, Kontakte zu knüpfen und sich in vergleichsweise ungezwungener Atmosphäre direkt bei den Unternehmen zu informieren. Gerade bei Schüler*innen auf Ausbildungsplatzsuche, die mit dem Bewerbungsprozedere noch nicht so vertraut sind, kann es die Hemmschwelle senken, wenn sie sich vor der Bewerbung mit Auszubildenden unterhalten können anstatt gleich einem Vorgesetzten im Anzug gegenüberzustehen. Interessenten sollte man Printprodukte wie Flyer oder Broschüren mitzugeben, damit sie sich zu Hause weiter informieren können und sie Kontaktdaten stets zur Hand haben. Eine interessante Möglichkeit für größere Unternehmen sind Bewerbertage. Hier haben Bewerber*innen bei einer Art „Tag der offenen Tür“ die Möglichkeit, sich vor Ort einen Eindruck über das Unternehmen zu verschaffen. Dieses wiederum kann potenzielle neue Mitarbeiter*innen besser kennenlernen. Generell lohnt es sich, wenig beschrittene Wege beim Recruiting zu gehen: Kreative Ideen erhöhen die Chance, dass mögliche Bewerber*innen aufmerksam werden.

Fazit

Die zunehmende Verlagerung der Jobsuche auf Onlinekanäle bietet Unternehmen zahlreiche Möglichkeiten, Bewerber*innen auf sich aufmerksam zu machen. Qualität geht jedoch vor Quantität: Authentische, informative Anzeigen auf ausgewählten Kanälen sind erfolgversprechender als das massenhafte Streuen von 08/15-Inseraten. Ferner ist zu beachten, dass die Markenpflege auf der eigenen Homepage und auf Social Media ebenfalls einiges an Zeit und Aufwand in Anspruch nimmt. Auch können Onlinemaßnahmen den persönlichen Kontakt zu Arbeitssuchenden nicht ersetzen. Vor der nächsten Recruiting-Kampagne gilt es sich unbedingt darüber Gedanken machen, wo die Zielgruppe unterwegs ist und wie man sie dort abholen kann. Denn eins ist klar: Heute sind es die Arbeitgeber*innen, die sich um Arbeitskräfte bemühen müssen.

Sara Pohl

...unterstützt als Projektmanagerin die Steuerung und Projektabwicklung überwiegend im Bereich Kommunikation und Marketing und koordiniert Kunden und Projektpartner.