Crowdfunding-Contest: Anreize zur alternativen Projektfinanzierung

Crowdfunding, die Projektfinanzierung über Klein- und Kleinstbeträge, ist ein interessantes Instrument, um Finanzmittel für die Projektarbeit einzuwerben – besonders für Vereine und Ehrenamtliche, die keine Eigenmittel haben oder unter die Förderschwellen klassischer Mittelgeber fallen. Anreizsysteme können dabei helfen, diese neue Möglichkeit der Projektfinanzierung nachhaltig zu verankern.

 

Crowdfunding ist nicht nur in der ländlichen Entwicklung, sondern auch in der lokalen Vereins- und Ehrenamtsarbeit ein junges Thema. Das bedeutet: Bevor ein Projekt erfolgreich finanziert werden kann, müssen die Chancen der Schwarmfinanzierung erst erkannt und angenommen werden. Bei Projektträgern in Vereinen genauso wie in der Bevölkerung ist dafür einige Pionier- und Aufklärungsarbeit nötig, um Ängste und Hemmschwellen abzubauen.

Der Erfolg ist dabei nicht garantiert, denn beim klassischen Crowdfunding erhalten nur diejenigen Projekte die von der Crowd gespendeten Beträge, wenn die anfangs festgelegte Zielsumme eingeworben wurde. Bleibt ein Projekt unterhalb der Förderschwelle, erhalten die Unterstützer den gespendeten Betrag zurück. Wer also nicht effizient wirbt oder keine im Ansatz internetaffine Zielgruppe zu seinem Unterstützerkreis zählen kann, hat im Zweifel mit einem Crowdfunding-Projekt statt Finanzmitteln nur Frust eingeworben (mehr zum Thema: Crowdfunding in der Regionalentwicklung: Die Sache mit dem Kleinvieh).

Ein möglicher Weg, Crowdfunding erfolgreich in der Dorf- und Regionalentwicklung zu verankern, sind Anreizsysteme. Eines davon sind Crowdfunding-Contests, die aus der einsamen Crowdfunding-Kampagne eine gemeinsame, von lokalen Institutionen unterstützte Initiative machen: Eine Gemeinde, ein Unternehmen, die Wirtschaftsförderung oder ein Zusammenschluss mehrerer Institutionen rufen dazu auf, Crowdfunding-Projekte auf einer eigenen oder einer externen Plattform einzustellen – wie beim klassischen Crowdfunding mit Zielsummen, Projektbeschreibungen, Rewards. Die Initiatoren legen gleichzeitig eine Laufzeit und eventuelle Rahmenbedingungen zur Teilnahme fest.

Ergänzend, und das ist der entscheidende Unterschied des konzentrierten Wettbewerbs zur alleinigen Schwarmfinanzierung, wird ein Fördertopf geschaffen, der den beteiligten Projektträgern in zweierlei Art zugutekommen kann:

1. Der Lückenschluss

Infografik zum Prinzip des Lückenschlusses bei Crowdfunding-Contests

Ziel des Lückenschlusses ist es, möglichst viele gute Projekte (finanziell) realisieren zu können. Deshalb erhalten alle erfolgreich finanzierten Projekte nur das von der Crowd gespendete Geld, aber keine zusätzlichen Mittel aus dem Fördertopf. Der Fördertopf wird nach einem vorab festgelegten Schlüssel nämlich auf einige nicht erfolgreich finanzierte Projekte verteilt – in den vorab bestimmten Rahmenbedingungen könnte etwa eine Mindestquote an Crowd-Beträgen definiert werden, die Aufstocker-Projekte mindestens vorweisen müssen. So können Projekte, die ihre Zielsumme knapp nicht einwerben konnten, dennoch umgesetzt werden.

2. Die Würdigung

Infografik zum Prinzip der Würdigung bei Crowdfunding-Contests

Ziel der Würdigung ist es, die bei der Crowd beliebtesten Projekte mit zusätzlichen finanziellen Mitteln zu unterstützen. Der Fördertopf wird nämlich nach einem vorab festgelegten Schlüssel auf die finanziell erfolgreichsten Projekte verteilt. Zusätzlich zu den eingesammelten Crowd-Geldern erhalten die „besten“ Projektträger also ein ergänzendes Preisgeld und damit eine deutlich höhere Projektsumme als geplant.

Beide Wettbewerbsvarianten haben ihre Vor- und Nachteile – ein gemeinsamer Gewinn bleibt immer: Ein Crowdfunding-Contest vereint alle Vorteile des klassischen Crowdfundings mit konkreten Möglichkeiten für lokale Institutionen, Engagement im ländlichen Raum mit Image-Arbeit zu verbinden; über den externen Bonus werden sogar gewisse Nachteile des klassischen Crowdfundings ausgeglichen. Die bloße Bandbreite an teilnehmenden Vereinen sorgt zudem für eine größere, auch öffentlichkeitswirksamere Aufmerksamkeit als bei einem vereinzelten Funding-Aufruf. Davon profitieren alle: Teilnehmende Vereine, die den Wettbewerb auslobenden Initiatoren – und das alternative Finanzierungsmodell Crowdfunding. Einen Versuch ist’s doch wert!

Cornelia Pabst

... vernetzt und sensibilisiert als Regionalmanagerin der ILE-Region Hufeisen Kommunen und Einwohner für das Engagement in der ländlichen Entwicklung.