Anpacken mit System: Ausbildung in der Dorfmoderation

Menschen reichen sich die Hände

Der Wille, die Zukunft des Dorfes aktiv mitzugestalten, ist in vielen Orten groß. Damit Engagement effektiv und nachhaltig ist, braucht es jedoch Akteure, die die verschiedenen Maßnahmen koordinieren. Zu diesem Zweck bildet die Katholische Landvolkhochschule Oesede (KLVHS) derzeit BürgerInnen aus dem Emsland zu Dorfmoderatoren aus.

Der Qualifizierungsworkshop „Ich werde Dorfmoderator/in“ der KLVHS fußt auf den Erfahrungen aus dem Modellprojekt „Dorfgespräch“. Die dialogPROZESSE habe gezeigt, dass das Interesse, sich für sein Dorf zu engagieren, groß ist – es braucht aber einen strukturierten Kommunikationsprozess und Personen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen. Diese Dorfmoderatoren sollen zentrale Anlaufstelle für alle sein, die sich engagieren möchten, und die verschiedenen Aktivitäten steuern. Ziel des Workshops ist es aber nicht nur, das Engagement im Inneren zu koordinieren, sondern auch, es mit professioneller Hilfe von außen zu verknüpfen.


Inhalte und Begriffe der Dorfentwicklung

Die Qualifizierung zum Dorfmoderator erfolgt in zwei Blöcken. Im ersten Teil – „Dorfentwicklung in der Gemeinschaft“ - erhalten die TeilnehmerInnen vertiefendes Wissen zur Förderung ländlicher Räume. Zunächst werden ihre Kenntnisse und Assoziationen zur Dorfentwicklung ermittelt, bevor sie umfassend über die Inhalte eines Dorfentwicklungsansatzes informiert werden. Dabei ist es ausgesprochen wichtig, der Kursgruppe eine Definition und Abgrenzung der verschiedenen Begriffe mitzugeben, damit sie Sicherheit gewinnen, wenn sie später im Dorf das Thema diskutieren und weitervermitteln. Ein weiterer zentraler Bestandteil ist die Betrachtung des Dorfes als Lebens- und Arbeitsraum. Hier lernen die TeilnehmerInnen, wie Erfahrungen Veränderungsprozesse im Dorf beeinflussen können.


Methoden und Techniken

Der zweite Block des Workshops vermittelt der Kursgruppe verschiedene kommunikative Methoden und Techniken. Ziel ist es, bereits vorhandene Fähigkeiten weiter zu entwickeln und das Talent der TeilnehmerInnen als „Dorfkümmerer“ zu stärken. Dabei erfahren sie unter anderem, wie sie Konfliktmanagement leisten oder Mitstreiter motivieren. Außerdem werden sie anhand konkreter Beispiele im Prozess- und Projektmanagement geschult.


Engagement aufbauen und entwickeln

Durch den Workshop erhalten die TeilnehmerInnen viele Werkzeuge, mit denen sie koordiniertes Engagement im Dorf aufbauen können. In Dörfern, die bereits am Dorfgespräch teilgenommen haben, helfen die DorfmoderatorInnen, bereits angestoßene Prozesse zu verfestigen und weiter zu entwickeln. In Zeiten, in denen Grundpfeiler wie Kirche und Kneipe zunehmend an Bedeutung verlieren, ist der Dorfmoderator eine feste Anlaufstelle. Er ist Anpacker, Experte und Vertrauensperson – aus dem Dorf und für das Dorf.


Michael Ripperda

... leitet den Bereich Regional- und Dorfentwicklung. Er ist Ansprechpartner für die Regionalentwicklung, für Dorfentwicklungs-Prozesse und Spezialist für die strategische Kommunal- und Fördermittelberatung.