Wohnraumentwicklung via Monitoring: Regelmäßige Datenerhebung liefert Handlungsstrategien

Wohnhäuser von oben

Schlagworte wie „Demografischer Wandel“, „Leerstand“ und „Stadtflucht“ sind vielen Menschen zum Sinnbild für Veränderungen im ländlichen Raum geworden. Tatsächlich stehen Dörfer und Regionen vor weitreichenden Herausforderungen. Lückenhafte Nahversorgung, fehlende Kaufkraft und Fachkräftemangel gehören dazu, ebenso wie die Themen Integration oder Willkommenskultur. Wie also in Zukunft auf dem Dorf leben - und "wie wohnen"?

Der Landkreis Osnabrück hat im Jahr 2017 ein "Wohnraumversorgungskonzept" erarbeitet. Das vorgelegte Konzept zeigt: Um die kommunale Orts- und Wohnraumentwicklung bedarfsgerecht voranzutreiben, braucht es zunächst einmal eine solide Datenbasis, die eine ganze Reihe von Fragen beantwortet:

  • Was haben wir? Wie sind unsere regionalen und kommunalen Wirtschafts-, Wohn- oder Bevölkerungsstrukturen beschaffen?
  • Was wollen wir? Wie soll die regionale und kommunale Entwicklung im Optimalfall aussehen?
  • Wohin gehen wir? Wie wird die regionale und kommunale Entwicklung realistisch betrachtet ausfallen?
  • Wo liegen Herausforderungen? Sind bei der regionalen Orts- und Wohnraumentwicklung bestehende Flächennutzungspläne hinderlich, gibt es gesetzliche Einschränkungen? Wie ist der Rückhalt in der Bevölkerung?
  • Was ist zu tun? Wie können bestehende und neue Herausforderungen gemeistert werden?

Im Idealfall besteht die Datenbasis nicht aus allgemeingültigem Zahlenmaterial, sondern bildet die spezifische Situation der jeweiligen Region oder Kommune ab. Allerdings gilt auch: Eine einmalige Erhebung liefert zwar eine gute Grundlage, aber erst die regelmäßige Fortschreibung des Monitorings zeigt über den Status quo hinaus Entwicklungen, neue Herausforderungen etc. auf. "Monitoring" steht dabei als Oberbegriff für zahlreiche Instrumente zur systematischen Datenerhebung und -auswertung, die über einen individuellen Indikatorenkatalog an kommunale oder regionale Herausforderungen angepasst werden. Monitoring-Ergebnisse entscheiden immer öfter über die Ausrichtung kommunaler Orts- und Wohnraumentwicklung – vor allem da, wo die klassische Bauleitplanung an ihre Grenzen stößt.

Aus der langfristigen, auf den jeweiligen Ort abgestimmten Betrachtung der konkreten kommunalen Wohnraumbedarfe können Handlungsstrategien für die kommunale Wohnungsmarktentwicklung abgeleitet werden.

Die von pro-t-in im Rahmen des Regionalmanagements Wittlager Land durchgeführte Kommunale Wohnungsmarktbeobachtung in den Gemeinden Bad Essen, Bohmte und Ostercappeln wurde in der Wohnungsmarktbeobachtung 2013 der NBank als positives Beispiel für die konzeptbasierte Siedlungsentwicklung beschrieben. Ein vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) in Auftrag gegebener Expertenworkshop hat die Handlungsempfehlung erarbeitet, jede Gewährung von Dorfentwicklungs- und Städtebaufördermitteln an eine konzeptbasierte regionale Siedlungsentwicklung zu knüpfen. Individuelle Monitoring-Instrumente zur Strategieentwicklung sind also nicht nur sinnvoll, sondern werden zukünftig mehr und mehr erforderlich sein, wenn Förderungen in Anspruch genommen werden sollen.

Gleichzeitig kann das Monitoring Fragen beantworten, die dringend nach Antworten verlangen – sie kursieren als Schlagworte …


Anna Becker

... gestaltet als Regionalmanagerin der ILE-Region Wittlager Land die Zukunft von Bad Essen, Bohmte und Ostercappeln - mit Menschen, Vereinen und Kommunen vor Ort.