Repair Cafés: Selbsthilfe und soziales Miteinander

Zwei Menschen bei Reparatur

Gerade erst liegt der Kauf-Höhepunkt des Jahres - Weihnachten - hinter uns: Handys, Tablets, Laptops, Musik-Boxen und Fernseher, elektronische Smoothie-to-go- und Coffee-to-go-Maker, Küchenmaschinen und Kameras, Nähmaschinen und Fahrräder - wir wurden wieder reich beschenkt, bzw. verschenkten großzügig vielerlei Präsente, die eines gemeinsam haben: Sie können - und werden! - in mehr oder weniger absehbarer Zeit defekt sein. Und dann? Auf den Müll damit und Neues her? Eine wachsende Bewegung will genau das vermeiden und setzt der "Wegwerfgesellschaft" eine gute Idee entgegen: In Repair Cafés treffen sich Menschen, die handwerkliches Können anzubieten und solche, die etwas zu reparieren haben.

Was sie verbindet, ist der Gedanke, dass Müll vermieden und Ressourcen geschont werden können, wenn nicht jedes defekte Gerät und jedes beschädigte Kleidungsstück gleich weggeworfen wird. Aus dieser Haltung heraus reparieren sie kaputte Toaster, platte Reifen und störrische Computer oder stopfen Löcher, nähen Knöpfe an und setzen Flicken drauf - gemeinsam, denn "Hilfe zur Selbsthilfe" ist das erklärte Ziel, nicht, sich etwas einfach kostenlos reparieren zu lassen.

Weil die Arbeit in den Repair Cafés vielfach bei Kaffee, Kuchen und "Klönschnack"  von statten geht, sind sie nicht nur Werkstätten, die Hilfe zur Selbsthilfe leisten, sondern darüber hinaus wichtige soziale Treffpunkte, an denen Menschen miteinander ins Gespräch kommen und neue Kontakte knüpfen können. Nachbarschaften werden gestärkt, Seniorinnen und Senioren bringen vermeintlich überholte Fähigkeiten ein und erfahren so Wertschätzung und Teilhabe.

Entwickelt wurde das Veranstaltungsformat „Repair Café“  von der niederländischen Journalistin und Bloggerin Martine Postma, die 2009 in Amsterdam das erste Repair Café eröffnete - und damit eine ungeahnte öffentliche Wirkung erzielte, die in die Gründung einer Stiftung mündete. Auch in Deutschland koordiniert heute eine Stiftung, das Netzwerk "anstiftung" (www.anstiftung.de), die rund 600 aktiven Reparatur-Initiativen in Deutschland und unterstützt die regelmäßig hinzukommenden Neugründungen. Die Stiftung "anstiftung" will mit innovativen Ansätzen zur Lösung von Gegenwartsfragen beitragen. Sie fördert, vernetzt und erforscht dazu Räume und Netzwerke des Selbermachens, unter anderem interkulturelle und urbane Gärten, offene Werkstätten und eben Reparatur-Initiativen. Für Letztere hat "anstiftung" die Plattform www.reparatur-initiativen.de ins Leben gerufen. Hier finden Interessierte eine Gesamtübersicht der Initiativen, zahlreiche Veranstaltungen, Infos und Anregungen zu aktuellen Themen, Hilfestellungen zur Neugründung einer Initiative sowie ein Forum für den Wissens- und Erfahrungsaustausch. Wo genau sich das/der/die jeweils nächstgelegene Repair-Café, repairBar, Offene Werkstatt, Ganzmach-Café, Cafe Knacks, ReparaturSalon oder Lebens.Werkstatt befinden, lässt sich über eine Karte sowie eine Suchfunktion mittels Orts- und Postleitzahleingabe recherchieren.

Übrigens: Während Reparatur-Initiativen in Ballungsgebieten stark vertreten sind, finden sie sich in vielen ländlichen Räumen nur vereinzelt. Dabei könnten sie als soziale Treffpunkte besondere Begegnungen zwischen Jung und Alt, Einheimischen und Migranten, handwerklichen Experten und Laien ermöglichen, inklusive aller positiven Effekte für Kommunikation, (inter-)kulturellen Austausch, Wissens- und Erfahrungsweitergabe sowie einen verantwortungsvollen, ressourcenschonenden Lebensstil.

 

Foto: RaMa 2016 via wikimedia commons (CC BY-SA 4.0), Ausschnitt des Originals

 


Hendrik Kettler

... ist Regionalmanager der ILE-Region Südliches Osnabrücker Land und unser Experte für die Fördermittelberatung – von A wie Aktion Mensch bis Z wie ZILE.