Tourismus als Handlungsfeld der ländlichen Entwicklung: Impuls, aber kein Selbstläufer

Wanderweg im Wald

Über Tourismus als Impuls und Chance für den ländlichen Raum ist viel diskutiert worden. Von der Vorstellung des Tourismus als „Allheilmittel“ hat man sich mittlerweile verabschiedet, denn viele ambitionierte Vorhaben haben nicht die erhofften Effekte für die ländlichen Räume gebracht. Andererseits spielt Tourismus noch immer eine wichtige Rolle in vielen Entwicklungskonzepten. Doch was steht hinter einem erfolgreichen Projekt im ländlichen Tourismus? Dafür gibt es sicher kein allgemeines Rezept, aber doch einige Ratschläge aus der Praxis.

Kooperation schlägt Alleingang

Viele Beispiele zeigen, dass touristische Projekte von Kooperationen und Partnerschaften leben. Zusammenarbeit empfiehlt sich, da qualitativ hochwertige Tourismus-Vorhaben kaum noch im Alleingang zu bewältigen sind; vielmehr tragen Partnerschaften mit Gastronomen und anderen touristischen Leistungsträgern zur Verankerung eines Projekts bei und stärken seine Zukunftsperspektiven. Der Aspekt der regionalen Wertschöpfung ist dabei auch nicht von der Hand zu weisen, auch wenn er schwer messbar ist. Als weitere Gruppe können auch Heimatvereine und andere ehrenamtlich aktive Gruppen einen wichtigen Beitrag leisten. Egal ob sie Kirchenführungen anbieten, regionale Kunst ausstellten, plattdeutsche Lesungen durchführen oder ihre Heimathäuser zum traditionellen Pfannkuchenessen öffnen: Sie können ein positives Image transportieren, das den Besuchern Authentizität vermittelt und sie an die Region bindet.

Regionale Stärken hervorheben oder: weniger ist mehr!

Idyllische Wanderwege, abwechslungsreiche Fahrradstrecken oder besondere historische Bauwerke: In den ländlichen Räumen gibt es vielfältige Highlights, die die Regionen prägen und touristisches Potenzial bieten. Diese Stärken gilt es hervorzuheben, aber ohne sich dabei in einer Vielzahl von Angeboten zu verzetteln. Das Beispiel der Wanderwege macht dies deutlich. Gibt es bereits viele Wanderrouten, so stellt sich die Frage, ob noch neue ausgewiesen werden müssen. Es kann effektiver sein, die bestehenden Angebote zu professionalisieren – und auch „auszudünnen“. Ein kompaktes, qualitativ hochwertiges Wegenetz spricht den Gast eher an als ein unübersichtliches Angebot an Strecken, auf denen der Investitionsstau offensichtlich ist. Wichtig ist auch hier, alle relevanten Akteure (wie z.B. Heimat- und Wandervereine) von Anfang an ins Boot zu holen.

Projekte brauchen „Kümmerer“

In erfolgreichen Projekten gibt es in der Regel eine eindeutig benannte koordinierende Stelle, bei der die Fäden zusammen laufen. Die Rolle des Organisators, Lenkers und Motivators ist sehr wichtig. Das fängt schon bei den ersten Zusammenkünften der Beteiligten in der Initiierungsphase an („Wer organisiert einen Treffpunkt?“, „Wer verschickt die Einladungen?“, „Wer führt Protokoll?“) und setzt sich über das gesamte Projekt fort. Die Erfolgschancen wachsen immens, wenn ein/e Koordinator/in Verantwortung für das Projekt übernimmt. Daher das Plädoyer zum Einsatz eines „Kümmerers“; das kann z.B. ein Regionalmanagement sein. Einige Regionen haben sich entschieden, Koordinationsstellen für größere touristische Gemeinschaftsaufgaben zu schaffen. Und auch die Vergabe an einen qualifizierten externen Dienstleister kann eine Möglichkeit sein, sich als Kommune oder Region im ländlichen Raum touristisch neu aufzustellen.

Tipp zum Weiterlesen:

Die LandInForm, das Magazin der Deutschen Vernetzungsstelle Ländliche Räume (dvs), beschäftigt sich in der aktuellen Ausgabe ebenfalls mit der Frage, unter welchen Voraussetzungen Tourismus als Entwicklungsstrategie im ländlichen Raum funktioniert. Das Schwerpunktthema „Tourismus: regional = erste Wahl?“ gibt es zum kostenlosen Download (PDF, 1,2 MB).



Hendrik Kettler

... ist Regionalmanager der ILE-Region Südliches Osnabrücker Land und unser Experte für die Fördermittelberatung – von A wie Aktion Mensch bis Z wie ZILE.